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Das Buch

Þorsteinn frá Hamri: Jarðarteikn - Erdzeichen. Gedichte

ISBN 978-3-939207-06-1. ca. € 12,00.

Die Gedichte in diesem Band erschienen in verschiedenen Gedichtbänden. Den ersten Gedichtband gab Þorsteinn schon mit 20 Jahren heraus. Er heißt Í svörtum kufli ("In einer schwarzen Kutte") und weist in der Erstausgabe zwar einige Texte auf, die noch von einem Suchen nach dem eigenen Ton und einer Abhängigkeit von Vorbildern zeugen (sie wurden vom Autor später ausgesondert), in der Mehrzahl aber sind die Gedichte von einer erstaunlichen Reife und Originalität. Hier finden wir stilistisch und thematisch schon vieles vor, das das Werk des Dichters auch später noch kennzeichnet: den kultivierten, souveränen Umgang mit der Sprache, eine starke Metaphorik mit Bildverschränkungen, die sich häufig erst beim näheren Zusehen erschließt - ob die schwarze Kutte des Titels ("Ich junger Mann in schwarzer Kutte durchschreite die Säle des bleichen Herbstes, ein ruheloser Geist") vielleicht darauf hinweist, dass leichte Zugänglichkeit nicht das vorrangige Ziel ist? - die Bindung an die isländische Natur und Kultur und häufig eine Selbstreflexivität als Dichter (Skáld, Kveðja, Að haustnóttum). Besonders charakteristisch für seine Dichtung ist die Einbeziehung der 1000-jährigen Geschichte Islands, der Volkskultur und der Volksdichtung des Landes. Für ihn bedeutet die Moderne mit ihren neuen Formen, Klängen und Inhalten keinen Bruch mit der Tradition, vielmehr versucht er (wie neben ihm etwa Hannes Pétursson), eine Brücke zwischen Altem und Neuem zu schlagen. So ist das Gedicht Haugbúi ("Hügelbewohner") im skaldischen Dróttkvætt verfasst, der Sagaheld Gunnlaug Schlangenzunge wird zum Gegenstand eines Gedichts, der von den Romantikern so heftig kritisierte Volksdichter Sigurður Breiðfjörð wird in Terzinen als "Symbol von 1000 Jahren Dichtung" rehabilitiert, überhaupt sind noch viele Gedichte gereimt. Daneben finden sich aber auch viele Gedichte im reinsten Modernismus, darunter auch Prosalyrik, wie das programmatische Eingangsgedicht: "Es war auf einem Hof, dass ein großes Ross aus den weißen Wäldern sich vom Süden her zum Flug zu den Bergen im Norden erhob, gefolgt vom Rauschen der Elfen und dem Zauber der Vögel, zurück blieben drei Tränen auf einem Blatt: rot weiß schwarz. Aber ein junger Mann bückte sich danach und kümmerte sich nicht darum, als hinter ihm gerufen wurde; denn ein Wort war ergangen." Hier geht es offenbar um die Berufung zum Dichter.

Der nächste Gedichtband kam 1960 heraus. Der Titel Tannfé handa nýjum heimi ("Zahngeld für eine neue Welt"), entnommen dem Gedicht Eignar ("Besitztümer") spielt auf den Brauch an, den Kindern etwas zu schenken, wenn sie den ersten Zahn bekommen. Hier steht das "Zahngeld" allerdings metaphorisch für die Dichtung, vielleicht auch für das kulturelle Erbe, das der jungen "neuen Welt" zur notwendigen Orientierung geschenkt wird. Auch im Gedicht Gestir ("Gäste") mischt sich Altes und Neues, Wikingerstimmen mit Straßenlärm. Gerne verwendet Þorsteinn Naturbilder als Symbol für die menschliche Gesellschaft, spricht dabei auch schon Umweltprobleme an: "Was wäre es nicht für ein Wunder zu erwachen / in einen Tag hinein, der sich rein und neu öffnete / mit saftigem, duftendem Gras / wo vorher nur nackte Erde war" (Undur, "Wunder"). Das Gedicht Ljóð ("Gedicht") verweist mit seiner starken Metaphorik von den äußeren Bildern auf eine innere Wahrheit, die man nur äußerst vertraulich behandeln darf ("Sage es niemandem").

Wieder im Abstand von zwei Jahren folgte der Band Lifandi manna land ("Land lebender Menschen", 1962), wobei Zeitkritik angesichts der Entfremdung des modernen Menschen und der Gefahren des Kalten Krieges den Grundton vieler Gedichte nicht nur dieser Sammlung ausmacht. "Es ist immer Furcht in mir gewesen, wie man aus meinen Gedichten sehen kann", hat der Dichter einmal in einem Interview gesagt, und im Gedicht Birta ("Helligkeit") heißt es: "Zahlreich und laut sind die Unwahrheiten ...". Eindrucksvoll ist auch das Gedicht Gesturinn ("Der Gast"), in dem in lockerem Gesprächston mit einem Gast geredet wird, der niemand anderes als der Tod selbst sein dürfte.

In Langnætti á Kaldadal ("Lange Nacht im Kaldidalur") von 1964 setzt sich die zeitkritische Thematik fort; oft werden kleine Alltagsszenen geschildert, bei denen aber immer etwas unter der Oberfläche lauert.

Jórvík ("York") von 1967 spielt auf eine Episode in der mittelalterlichen Egils saga an, in welcher der Sagaheld durch ein Gedicht seinen Kopf rettet. Aber auch hier geht es eigentlich um den modernen Menschen.


 
 
 
 

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